Winter 2016 (und ein Nachtrag vom Herbst 2015)

„Und jedem Anfang liegt ein Zauber inne..“ (Hermann Hesse)

Es ist der 6. Januar 2016 und wir erleben unseren ersten Winter auf dem Hof Neuseegaard. Der Zauber des Anfangs hört nicht auf, seit wir im April 2015 auf den Hof Neuseegaard gezogen sind: Immer wieder und immer noch verzaubern uns die Stimmungen am Winderatter See, die Stimmen der  Vögel, die Graugänse, die im Winter immer zur selben Zeit in Richtung See fliegen, um dort zu übernachten, die Rufe der Singschwäne, die Seidenreiher, die wie drei weiße Punkte in der Dämmerung im gegenüberliegenden Wald ihre Schlafplätze haben und natürlich unsere zahmen Tiere, die uns immer wieder Freude machen. Das sind unsere Schafe, die so verfressen nach Knäckebrot sind und so kuscheliges Fell haben. Unsere Pferde mit ihrem dicken Winterfell, die genau wie die Robustrinder den ganzen Winter draußen auf den wilden Weiden bleiben und deshalb so zufrieden sind. Und vor allem unsere Hühner, sie machen uns manchmal so wütend, weil sie immer überall dabei sein wollen, wenn wir Erde umgraben bei der Gartenarbeit und vor allem, wenn wir draußen ein Pause machen und etwas essen. Weil sie aber so zutraulich und menschenbezogen sind, können wir ihnen nie lange böse sein, wenn sie uns mal IMG_9502wieder den Kuchen aus der Hand klauen.  IMG_9496 Genau wie im letzten Jahr,  wollen wir nun die Wintermonate nutzen, um im Garten zu arbeiten. Denn obwohl wir im letzten Jahr schon viel geschafft haben in unserem Garten, gibt es noch sehr viel zu tun. Unser großes Ziel für dieses Frühjahr ist es, verschiedene Elemente eines Permakultur-Naturgartens in unseren Garten zu integrieren: Eine Kräuterspirale bauen, Totholzhecken und Steinhaufen anlegen, Wildsträucherhecken pflanzen, Hügel- und Hochbeete bauen und vieles mehr.

Ach ja, da fällt mir ein, unsere Ernte im letzten Jahr ist richtig gut ausgefallen und das war auch der Grund, warum wir erst jetzt wieder zum Schreiben unseres Blogs kommen. Denn wir hatten im Spätsommer und Herbst so viel zu tun mit der Ernte und Verarbeitung von unserem Gemüse und unseren Äpfeln, dass wir nichts anderes mehr geschafft haben. Außer Kürbissen und Äpfeln haben wir so viele Kartoffeln ernten können, dass wir immer noch davon essen können. IMG_9351Nachdem wir den ganzen Sommer und Herbst nur von unserem selbst angebauten Gemüse, wie Salat , Tomaten, Gurken, Bohnen, Kohlrabi,  Zucchini und verschiedensten Kräuter gegessen haben, haben wir nun immer noch Lauch, Möhren, Zwiebeln und rote Beete im IMG_9347Garten. Und dann war im Oktober und November die Zeit, dass die Äpfel auf unserer Obstwiese reif wurden. Wir hatten so viele Äpfel, dass wir davon ca. 400 l Apfelsaft pressen lassen konnten. Immer wieder denken wir mit Dankbarkeit daran, wieviel uns „Mutter Erde“ in unserem 1. Jahr auf dem Hof Neuseegaard schon geschenkt hat!

 

 

7. Januar 2016

Nun ist es richtiger Winter geworden, zum Glück! Nachdem es im Dezember so viel geregnet hat, ist es endlich kalt geworden. Die Teiche auf den wilden Weiden sind zugefroren und auch ein großer Teil des Winderatter Sees. In dieser Woche ist zur Kälte auch die Sonne gekommen und beschert uns wunderschöne Sonnenaufgangs-Winterhimmel, die sich mit  verschiedenen Rottönen übertreffen. Ich nutze diesen kalten, sonnigen Wintertag, um endlich einmal wieder um den ganzen See herumzuwandern. Ich treffe die Gallowayrinder bei ihrer „Morgentoilette“, fast alle der 7 Rinder nutzen den Knick mit den alten Weißdornbäumen, um sich zu daran zu scheuern. Durch das einfallende Sonnenlicht wirkt dieser Augenblick fast mysthisch. Auf meiner Rundwanderung um den See kann ich an diesem Morgen noch viele weitere kleine „Wunder“ fotografieren: Ein Eiskunstwerk an einem alten Eisenstab in der Kielstau, das eingefrorene Reet, die Stockenten auf dem fast zugefrorenen Winderatter See und wieder auf unserer Seeseite angelangt, fasziniert mich die Wanderschafherde aus Oeversee, die zum 4. Mal in diesem Jahr das Ostufer des Winderatter Sees abgrasen.

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Blüten und Insekten

Es hat sich gelohnt in Blumensaat zu investieren! Ein Großteil des Gartens hat sich in ein Blütenmeer verwandelt. Die Sonnenblumen ragen aus dem Blütenmeer heraus. Die violetten Malven schaffen es nicht ganz so hoch, scheinen aber einen Wettstreit um die Höhe mit den Sonnenblumen zu führen. Darunter wachsen in aller Bescheidenheit Klatschmohn, Kornblumen, Wicken, Buchweizen, Dill, Ringelblumen, verschiedene Kleesorten und Gräser. In Gudruns Zaubergärtchen, so heißt ein kleines rundes Beet mit Einjährigen vor dem Staudenbeet in Hausnähe, wachsen Zinnien, Löwenmäulchen, Flachs, Klatschmohn, Jungfer im Grünen, Malven, Cosmea, Phacelia und Ringelblumen und viele mehr.

Der kleine Fuchs ist die Schmetterlingsart die zur Zeit am häufigsten auf den Büten zu sehen ist. Aber auch Admirale kommen oft vor. Der Distelfalter ist eher selten zu sehen. Die Schmetterlinge lieben die Zinnien. Die Sonnenblumen scheinen bei den Hummeln und den Bienen hoch im Kurs zu stehen. Jetzt werden ihre Kerne bereits reif und die Meisen haben sie bereits als willkommene Nahrung entdeckt.

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Immer mehr Tiere

Die Tiere spielen eine große Rolle auf dem Hof Neuseegard. Sie pflegen unsere Obstwiese, legen für uns Eier, fressen die Nacktschnecken und machen uns und alle kleinen und großen Besucher glücklich.

Die Graugans haben wir gans (nein ganz) bewusst in unser Logo für den Hof Neuseegaard integriert, denn sie ist uns hier ein ständiger Begleiter. Aber auch die kleinen Katzen scheinen sich hier wohl zu fühlen, denn am Wochenende ist wieder ein kleines Kätzchen auf dem Hof gelandet. Die Katze ist ein richtiger Kletterer und rannte gleich am Stamm des Apfelbaumes hoch. Unsere Hündin Merle scheint aber ein grundsätzliches Problem mit kleinen Katzen zu haben und traute sich nicht mehr in die Wohnung. Jetzt lebt die kleine Katze bei der Familie über uns, so dass Merle sich wieder ins Haus traut.

Vor ein paar Tagen hatten wir einen Kleiber als Gast im Weißdorn vor unserem Haus. Er hat den Stamm akribisch nach Nahrung abgesucht und ist dann wieder in den nahe gelegenen Wald verschwunden. Bei unseren sehr zahmen Hühnern gibt es leider schon ein Opfer zu beklagen. Ein Einzelgänger ist einfach spurlos verschwunden. Wir hoffen, dass es bei dem einem bleibt und nicht irgend ein Raubtier ein neue Nahrungsquelle entdeckt hat. IMG_8996 IMG_9047 IMG_9010IMG_9011 IMG_9090 IMG_9126IMG_9050

Hummeln und Co im Glück

Es ist lange her das wir unseren Blog gepflegt haben. Dies ist ein Zeichen dafür, dass wir die Zeit gerade sehr viel lieber in unserem Garten verbringen anstatt am Computer zu sitzen. Der Garten fängt an aufzublühen und die lange vorbereitete Arbeit zeigt sich nun in einer schönen Vielfalt an Blüten und ihren Gästen, die sich über das von uns geschaffene Nahrungsangebot freuen. Die Freude ist jedoch auf unserer Seite, denn wir sind es, die sich jeden Tag darüber freuen wie viele Insekten sich hier an den vielen Blüten laben.IMG_9069 IMG_9072 IMG_9086 IMG_9093

In einem riesigen Feld mit Phacelia wimmelt es nur so an unterschiedlichen Bienen- und Hummelarten. Auch der Blick aus unserem Küchenfenster ist fantastisch, da wir bei offenem Fenster das Gefühl haben direkt im Garten zu stehen. Auch im Gewächshaus scheinen die Nutzpflanzen regelrecht zu explodieren. An einer Kürbispflanze haben sich ca. 20 Kürbisse entwickelt. Wir können  jeden Tag mit Nahrungsmitteln aus unserem Garten kochen. Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Zucchini, Mangold, Zwiebeln und Möhren reichen über das hinaus, was wir selber aufessen können. An einem kleinen Stand vor unserem Haus bietet Gudrun Überschüsse unserer Ernte und Eier von unseren Hühnern für vorbei kommende Spaziergänger an. Am Wochenende führte hier ein Wandertag vor unserem Haus vorbei und schwuppdiwupp war das angebotene Gemüse und die Eier verkauft. IMG_9099

Tierisch

Am vorletzten Wochenende kam eine Wanderschafherde zur Flächenpflege an den Winderatter See. Etwa 750 Schafe und Ziegen fraßen unter der Aufsicht von Schäfern und Hunden die Vegetation auf Teilflächen die ausgemagert werden sollen, innerhalb von nur einer Woche kurz. Danach zog die Schafherde weiter zum nächsten Einsatzort. IMG_8861

Der Hof Neuseegaard ist nun auch um ein paar Tiere reicher geworden. Neben Hühnern haben wir uns auch 4 Shropshire-Schafe angeschafft, die als lebende Rasenmäher vor allem die Obstwiese pflegen sollen. Doch in diesem Jahr haben wir das Gras auf der Obstwiese noch einmal mähen und wenden lassen, bevor wir es bei Temperaturen von 30 Grad zusammen gerecht und in die Scheune transportiert haben.

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Die Schafe sind noch ein bischen ängstlich und müssen sich erst noch an uns gewöhnen. Deswegen setzen wir uns einfach manchmal zu ihnen in die Weide und tun so als wollten wir nichts von ihnen. Dann kommen sie neugierig an, beschnuppern alles und wollen mit Pellets gefüttert werden.

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Zu guter letzt hat Jule noch 4 kleine Katzen entdeckt, die offenbar von ihrer Mutter hier vergessen worden sind. Sie päppelt sie nun wie eine Ersatzmutter auf. Warum sind kleine Tiere immer so wahnsinnig niedlich.

Neue Landschaftspfleger auf den wilden Weiden

Auf den wilden Weiden sind neue Landschaftspfleger angekommen. Der Pächter der an den Hof angrenzenden Weideflächen hat 7 weiße Gallowaykühe gebracht, die ihr Glück über das riesige Nahrungsangebot kaum fassen können. Nur unser Norwegerwallach sah in den Neuankömmlingen trotz ihrer ausstrahlenden Ruhe und Friedlichkeit etwas Bedrohliches. Gleich beim ersten Anblick der Kühe geriet er völlig in Panik, schnaubte und rannte in seinem Auslauf hin und her. Noch am selbem Abend zerriss er den Weidezaun und rannte als ob es um sein Leben ging auf und davon. Zum Glück wurde sein Verschwinden schnell bemerkt, so dass wir uns noch vor Einbruch der Dunkelheit auf die Suche nach ihm machen konnten. Er war in einem Umkreis von 2 km nicht mehr auffindbar, so das wir die Polizei verständigen mussten. Zum Glück hatte eine Pferdehalterin ihn eingefangen und in ihre Pferdebox gestellt und wir konnten ihn noch am selben Abend abholen und ihn in der Dunkelheit nach Hause reiten. Selbst in der Dunkelheit waren noch viele Vögel wie Kiebitze, ein Sprosser und der Feldschwirl zu hören. Zum Glück hat sich Niko an die Kühe gewöhnt und keine Angst mehr vor ihnen. Auch Gudrun hat schon erste Annährungsversuche aufgenommen und konnte die Kuh mit der Nummer 02808 streicheln.IMG_8817

Wir genießen so oft es geht die Abende im Garten unter den duftenden Obstbaum oder einfach nur dieses fantastische Licht, dass die Weiden leuchten lässt.IMG_8791

Unser anfänglicher Ergeiz unseren Garten möglichst schon in diesem Jahr fertig zu gestalten hat sich mittlerweile in eine Geduldsprobe gewandelt. Es macht wenig Sinn Stauden oder Einjährige in völlig verkrautete Flächen zu pflanzen oder einzusäen. Wir müssen zunächst die Verkrautung geduldig reduzieren, bevor wir Flächen wieder neu gestalten sonst können wir nur noch jäten. Wichtig ist erst einmal das Verhindern einer weiteren Versamung von Ampfer und Co.

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Der Frühling kommt langsam

Es ist Anfang Mai und der Frühling kommt in diesem Jahr wie im Zeitlupentempo. Es ist diesmal nicht so ein Gefühl von  „Plötzlich ist alles grün und es summt und brummt“, sondern eher das Gefühl, als streut der Frühling jeden Tag eine neue Kleinigkeit dazu. Erst blühten nur die Weiden und Mirabellen, dann kam die Schlehenblüte dazu und erst jetzt ist der Laubausbruch dran. Das Schöne an dieser Langsamkeit ist, dass wir den Frühling noch intensiver erleben können. Jede einzelne Kleinigkeit wird sichtbar. Es sind die Reviergesänge der einzelnen Vogelarten, die Rückkehr der Rauchschwalben, die sofort damit beginnen ihre Nester mit frischen Lehmkügelchen zu verstärken oder der Kuckuck, den ich erst Anfang Mai zum ersten mal rufen höre (natürlich wie in jedem Jahr, ohne dabei Geld in der Tasche zu haben!). Der Sprosser ist zur gleichen Zeit wie der Kuckuck zurückgekehrt und singt seine zauberhafte Melodie im Gebüsch am Zufluss der Kielstau zum Winderatter See.

Auch die Insekten lassen es eher ruhig angehen. Es sind  die Hummeln, die sich immer als erstes schon bei kühlen Termperaturen auf die Suche nach  Nahrung begeben. Die Honigbienen warten da lieber noch auf wärmere Tage bevor sie loslegen. Die Löwenzahnblüte ist bereits gut besucht.

Die Vögel ließen sich bei dem langen laubfreien Zustand des Frühlings umso besser beobachten. Vor allem die eher versteckt lebenden und sehr unscheinbaren Gehölzbewohner, wie der Fitis, der Zilpzalp, die Dorngras- und Mönchsgrasmücke, lassen sich in diesem Zustand noch gut beobachten und fotografieren. Wir freuen uns immer über besondere Beobachtungen, wie an dem Braunkehlchen, dem Hausrotschwanz, dem Distelfinken, dem Bluthänfling oder Schafstelzen. Aber auch alltägliche Vöge,l wie die Bachstelze und die geschwätzigen Wacholderosseln, die uns in Scharen besuchen, erfüllen uns mit Freude. Besonders eindrucksvoll war das Überfliegen von 5 Kranichen und  einem Weißstorch. Der Seeadler gehört schon fast zum täglichen Anblick und begeistert uns doch immer wieder aufgrund seines majestetischen Flugs über den Winderatter See. Er taucht jetzt auch öfter paarweise auf (zum Leidwesen des Blessrallen, seiner bevorzugten Beute auf dem Windratter See).

Am Sonntag Morgen sind wir mit einem Biologen verabredet, der uns ornithologisch weiterbilden will. Bereits um 5.00 Uhr wandern wir zum vereinbarten Treffpunkt. In der Nacht hat sich die Temperatur auf den Gefrierpunkt abgekühlt. Der Winderatter See ist in Nebelschwaden eingehüllt, die sich langsam auflösen. Der Anblick ist faszinierend. Ein Highland-Rind hat beim Scheuern am Weißdorn einen Ast am Horn mitgenommen, der nun als Tarnung wirkt. Ein anderes Rind tarnt sich in den blühenden Schlehenbüschen. Trotz Kälte genießen wir den strahlenden Sonnenaufgang und den wunderschönen Morgenspaziergang mit dieser besonderen Stimmung am See und vielen schönen Vogelbeobachtungen.

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Gimpel
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Bluthänfling
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Seeadler
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Bachstelze
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Heckenbraunelle
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Zilpzalp
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überfliegende Kraniche

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